Die Digitalisierung des Handels schreitet voran. Für 2018 prognostiziert iBusiness ein Umsatzwachstum der E-Commerce-Branche von 22%. Händler versuchen dem Giganten Amazon mit durchdachten Digitalstrategien die Stirn zu bieten. Ein reibungslos funktionierender Onlineshop ist dafür Grundvoraussetzung. Test Manager überprüfen die Qualität und Performance von E-Commerce-Lösungen. Welche Komponenten so ein Webseiten-Testing umfassen kann, erklärt uns Daniel Böhm. Er ist Teamleiter für Qualitäts- und Testmangement.

Hallo Daniel. Deine Abteilung kümmert sich darum, dass alle Softwareentwicklungen hohe Qualitätsstandards einhalten. Was sind deiner Meinung nach typische Fehler die Unternehmen in Bezug auf IT-Qualitätsmanagement und Testing machen können?

Daniel: Der größte Fehler, den Unternehmen machen können, ist, das Ganze als optional zu sehen. Also erst gar nicht einzuplanen oder einzufordern bei der Softwareentwicklung.

Wie kann man diesem Problem denn begegnen? Worauf muss ich als Unternehmen beim Software-Qualitätsmanagement achten?

Daniel: Das können Unternehmen umgehen, indem sie das Testing und später dann auch das IT-Qualitätsmanagement eben nicht als optional ansieht. Das heißt, Unternehmen müssen es von der Agentur, die die E-Commerce-Lösung für sie aufsetzt, aktiv einfordern. Und ganz wichtig: sich das auch nachweisen lassen.
Bei Projektbeginn kann dies in Form eines abgestimmten Testkonzepts geschehen. Darin wird beschrieben, wie man mit dem Thema umgehen möchte. Gleichzeitig werden für die Qualitätsmanager Aufgaben festgelegt. Das Testkonzept ist somit eine Handlungsanweisung, wie und was getestet werden soll.

Welche Punkte muss ich als Unternehmen oder federführender Projektmanager bei der Erstellung und Ausarbeitung des Testkonzepts berücksichtigen?

Daniel: Zuallererst muss ich darauf achten, dass ich meine Teststrategie so auslege, dass sie zu meinem Umsatz und zum Umfang des Projekts passt. Man kann natürlich 100% testen, aber das wird relativ teuer. Deswegen sollte man im Testkonzept genau die strategischen Fixpunkte definieren.
Beispielsweise, wenn ich der Betreiber einer B2B- oder B2C-E-Commerce-Plattform bin, muss ich ansagen, welche Devices vorrangig von meinen Endkunden genutzt werden. Diese werden dann intensiv getestet, sodass Updates und Weiterentwicklungen meines Shops vor allem auf diesen Geräten gut laufen. Was kann man noch festlegen: z. B. möchte ich einen Last-, Security- oder Performance-Test haben? All das kommt ins Testkonzept. Außerdem beschreibt es, wer in welchen Projektphasen testet. Manche Tests können und werden von Kunden auch selbst durchgeführt. Man macht gewissermaßen die Spielregeln aus, wie man die Qualität sichert und das dann auch zusammenführt mit dem aktuellen Budget.  Die Teststrategie richtet sich somit an Unternehmenszielen aus, die ich mit einem guten Testing auch überprüfen kann.

Webshop im Test

Kannst du das bitte an einem Praxisbeispiel verdeutlichen?

Daniel: Nehmen wir an, mein Unternehmensziel lautet, mehr Umsatz zu generieren. Dann ist die Performance ein wichtiger Indikator. Es gibt ja zahlreiche Statistiken, die belegen, dass ein User abspringt, wenn die Webseite zu langsam lädt. Das muss dann von vornherein, also noch vor der Umsetzung, im Testkonzept als Qualitätsanforderung festgelegt werden. Gleichzeitig erarbeitet man einen Zeitplan für die Tests und legt die Verantwortlichkeiten fest.
Dann gibt es noch die kleineren Projektziele, an die das Testing geknüpft ist. Wenn ich einen neuen Shop online stelle, dann möchte ich, dass alles funktioniert, damit mir keine Kunden verloren gehen. Das passiert, wenn der Shop nicht oder nur langsam lädt. Oder wenn ich bestelle und die Bestände nicht gepasst haben, infolge dessen meine Bestellung storniert wird. Das sind alles Punkte, durch die die Kunden natürlich vergrault werden. Mit einem End-to-End-Test kann ich genau sowas herausfinden.

Worauf sollte man als Kunde beim Testing achten? Was muss ich leisten und was muss die Agentur leisten, die das Software-Qualitätsmanagement für mich übernimmt?

Daniel: Das Testing sollte von beiden Seiten klar definiert sein. Deswegen poche ich auch so auf das Testkonzept. Es ist immer schlimm, wenn man ein Projekt hat und jeder seine Qualitätsansprüche im Kopf hat, die aber nie miteinander abgesprochen wurden. Und dann kommt man z. B. am Ende des Projekts zusammen und erfährt, dass ein bestimmter Browser für den Kunden wichtig ist, weil auf den B2B-Shop 60% der Kunden mit einer veralteten Browserversion zugreifen. Was aber vorher in keinem Testing oder auch in der Konzeption beachtet wurde.

Was bringt das ganze Testing dem Kunden?

Daniel: Das muss man vor allem projektbezogen sehen. Dass zum einen gegen Ende hin die Timeline eingehalten wird, weil solche Riesenklopper dann nicht kurz vor Live-Gang auftauchen. Zum zweiten werden durch solche Tests Kosten und Ressourcen gespart, sowohl auf Unternehmens- wie auch auf Agenturseite. Weil von vornherein klar war, auf welche Punkte man bei der Entwicklung der E-Commerce-Lösung achten soll.

Das heißt, Testing und das damit verbundene Aufspüren von Fehlern ist gar nicht so negativ zu sehen, wie viele meinen?

Daniel: Ganz im Gegenteil. Man sollte es auf jeden Fall als etwas Positives verstehen. Unsere ISTQB-Tester prüfen die Softwareentwicklungen nicht, weil Fehler passiert sind. Sondern wir schauen, ob der fertige Onlineshop die vorab definierten Anforderungen erfüllt. Das gilt für Einzelprojekte wie auch dann im Servicebetrieb. Fehler testen wir erst dann, wenn wir sie im Testverlauf finden und das Entwicklerteam sie gefixt hat. Das überprüfen wir dann auch. Ich möchte IT-Qualitätsmanagement somit eher als Verifikation verstanden wissen. Also mit dem Vier-Augen-Prinzip schauen wir nochmal über die Entwicklungen des Software Developers drüber.

Was bedeutet Qualitätssicherung für dich?

Für mich besteht gutes Testing vor allem daraus, sich frühzeitig über viele Dinge Gedanken zu machen. Und Qualitätssicherung ist für mich jetzt nicht nur, dass ich Fehler finde. Sondern das spannendere Thema sind die strategischen Überlegungen. Also wie setze ich ein E-Commerce-Projekt auf, um bekannte Fallstricke, Bottlenecks oder Unklarheiten zu vermeiden? Auf was muss ich in der Entwicklung und Konzeption achten? Was ist dem Kunden wichtig? Welche Ziele verfolgt er mit dem Onlineshop? Das halten wir wie gesagt im Testkonzept fest. Dadurch wird das ganze Projekt gegen Ende hin stressfreier und transparenter. Die ganze Testausführung ist für mich dann nur das Tüpfelchen auf dem i.

Vielen Dank, das war Daniel Böhm. Wir haben mit ihm über typische Fehler beim IT-Qualitätsmanagement gesprochen und wie Sie diese vermeiden können.

Eine ausführliche Leistungsbeschreibung finden Sie in der Rubrik Testmanagement.